Eine hochkarätige Runde (Bernhard Felderer / IHS, Johannes Kopf / Geschäftsführer ams, John Patrik / Director OECD und Jan van Ours / Professor University Tilburg) diskutierte am 28.10.2010 in der Sky Lounge in Wien die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2008/2009 auf den Arbeitsmarkt. Einhelliger Tenor der Runde war, dass sich die Wirtschaft schneller erholt hat als der Arbeitsmarkt.
Die Erholung am Arbeitsmarkt hinkt hinterher. Vor allem sind die Auswirkungen in den einzelnen Ländern gravierend unterschiedlich. Vor allem Spanien und Irland sind stark von der Arbeitslosigkeit betroffen, in Deutschland hingegen ist die Arbeitslosenrate seit 18 Jahren am tiefsten Stand. Womit dies zusammenhängt ist nicht ganz klar und derzeit Forschungsthema. Es gibt Vermutungen, dass arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie das Kurzarbeitszeitmodell für die geringe Arbeitslosigkeit in Deutschland verantwortlich sind, es ist aber nicht der Weisheit letzter Schluss.
Drei Themenpunkte aber sind interessant, die ich im Rahmen dieser Zusammenfassung heraus streichen möchte, und darauf wurde auch in der Diskussion eingegangen. Das sind einerseits die stark gestiegene Langzeitarbeitslosigkeit in den USA (von 10% auf 35% der Arbeitslosen), das Modell der Flexcurity in Dänemark (staatlich großzügige Versorgung von Arbeitslosen bis zu 4 Jahren Auszeit bevor Sanktionen drohen andererseits geringer Kündigungsschutz) und das Thema Schulungen für Arbeitslose. Drei thematisch unterschiedliche Bereiche, die aber eine grundlegende menschliche Eigenschaft zu Tage bringen, nämlich die Faulheit.
Wie kann man hier auf Faulheit schließen, werden Sie geehrte Leserschaft und Philanthrop mit Recht fragen. Eine Vermutung geäußert von Patrick, warum die Langzeitarbeitslosigkeit so stark zugenommen hat, ist die Ausdehnung des Arbeitslosenzuschusses von bisher 6 Monaten auf 2 Jahre durch die Regierung Obama. Das dänische Felxicurity Modell steht vor einer Bewährungsprobe. Es funktioniert so richtig aber erst seit dem „Aktivierungszeitraum“ (der Zeitpunkt ab dem der Arbeitslose zur Arbeitssuche gedrängt wird. Das wurde in den letzten Jahren vor der Krise drastisch von 4 Jahren auf 1 Jahr reduziert. Vor Ausbruch der Krise hatte Dänemark eine der niedrigsten Arbeitslosenraten OECD weit). Das Thema Schulung wurde von Herrn van Ours so kommentiert: “cheap and mandatory“, was soviel heißt wie nur die Peitsche hilft hier. Denn wer schlägt seine Zeit schon gerne in voll gefüllten Schulungsräumen tot.
Also zusammengefasst heißt das: nur die Peitsche hilft wirklich, um die Unwilligen zur Arbeit zu bringen, die Butterbrote werden nur gerne verspeist.